Ich hatte weder vom „Wilden Jungen von Aveyron“ gehört noch gelesen und war daher etwas beunruhigt, als ich den Titel dieses Buches sah. Ich hatte ihn so interpretiert, dass an einem verwilderten Kind ein entmenschlichendes Experiment durchgeführt worden war.
Dieses Buch ist das genaue Gegenteil meiner anfänglichen Annahmen.
Es wurde ein Experiment durchgeführt, aber es handelte sich dabei um ein Experiment aus dem Jahr 1800, bei dem versucht wurde, einem scheinbar verwilderten Kind das Sprechen beizubringen.
Dieses Buch liest sich wie eine abgebrochene Fallstudie eines psychologischen Experiments, in dem ein junger Arzt versuchte, einem verwilderten Kind das Sprechen beizubringen, und letztendlich scheiterte.
Es war geradezu unglaublich, dass ein kleiner Junge es schaffte, allein im Wald zu überleben, indem er sich völlig selbst versorgte. Beim Lesen der Beschreibung des Verhaltens des Jungen konnte ich nicht umhin zu denken, dass er nicht nur sozial isoliert war, sondern möglicherweise unter dem litt, was man heute als Autismus-Spektrum-Störung bezeichnet.
Dies könnte der Grund dafür sein, dass der Junge trotz aller Bemühungen des Arztes nie die menschliche Sprache erlernte. Es ist außerdem wichtig, die Ereignisse im Buch in ihren Kontext zu setzen. Im Jahr 1800 tobten in Europa die Französischen Revolutionskriege, und Japan befand sich während der Edo-Zeit in selbstgewählter Isolation. Was der Arzt also versucht hatte, war in jener Zeit absolut bemerkenswert.

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